Walk On The Wild Side (1972)

Holly came from Miami, Fla
Hitchhiked her way across the USA.
Plucked her eyebrows on the way
Shaved her legs and then he was a she - she said:

Hey Babe, take a walk on the wild side,
said hey honey, take a walk on the wild side.

Candy came from out on the island,
In the backroom she was everybodys darling,
But she never lost her head
Even when she was given head - she said

Hey Babe, take a walk on the wild side,
Said hey honey, take a walk on the wild side.
And the coloured girls go, doo dodoo

Little Joe never once gave it away,
Ev'rybody had to pay and pay.
A hustle here and a hustle there
New York city is the place where they said:

Hey Babe, take a walk on the wild side,
Said hey Joe, take a walk on the wild side.

Sugar plum fairy came and hit the streets
Looking for soul food and a place to eat
Went to the Apollo, you should have seen him go go go - they said:

Hey Sugar, take a walk on the wild side,
Said hey honey, take a walk on the wild side.

Jackie is just speeding away,
Thought she was James Dean for a day
Then I guess she had to crash, Valium would have helped that bash - she said:

Hey Sugar, take a walk on the wild side,
Said hey honey, take a walk on the wild side.
And the coloured girls go, doo dodoo
Flip doch mal aus...

Holly kam von Miami, FLA
Trampte den Weg quer durch die USA
Zupfte ihre Augenbrauen auf dem Weg
Rasierte ihre Beine und dann war
er eine sie - 
sie sagte:

Hey Baby, flip doch mal aus,
sagte hey honey, flip doch mal aus.

Candy kam von ausserhalb der Insel.
Im Hinterzimmer war sie jedermanns Schätzchen,
aber sie verlor nie ihren Kopf
auch nicht, wenn sie sich Sorgen machte,
sie sagte: 


Hey Baby, flip doch mal aus,
sagte hey honey, flip doch mal aus.
Und die farbigen Frauen sagen doo dodoo

Der kleine Joe hat es noch nie verschenkt.
Jeder musste bezahlen und bezahlen.
Hierhin geeilt, dahin geeilt
New York City ist der Ort, wo
sie sagten:

Hey Baby, flip doch mal aus,
sagte hey Joe, flip doch mal aus.

Der Schwule "Zuckerpflaume" kam und landete auf der Strasse (heisst auch Drogen nehmen)
suchte nach Essen für Körper und Geist
Ging zum "Apollo", Du hättest ihn sehen sollen gehn-gehn-gehn (auch für Go-Go-Tänzer) - 
sie sagten:

Hey Zuckerpflaume, flip doch mal aus,
sagte hey honey, flip doch mal aus.

Jackie ist immer nur auf Speed (Droge),
dachte sie sei James Dean für einen Tag.
Dann musste sie runter kommen
Valium hätte ihr bei diesem Versuch geholfen
sie sagte: 

Hey Baby, flip doch mal aus,
sagte hey honey, flip doch mal aus.
Und die farbigen Frauen sagen doo dodoo

 

     
 

Lou Reed hat in seinen Texten viel Slang ... sie sind aber auch irgendwie poetisch. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als ich das erste Mal sein Album "Transformer" hörte!!! Für damals hatte er eine einzigartige Kombination drauf: Dekadente bis freche Textr, sehr eigener Sound, trockene Stimme und eine coole Art das rüber zu bringen. Dieses Album war ein "must" in meinem Umfeld damals... es kam zwar 1972 heraus ... aber bei uns war es so irgendwann zwischen 1978 und 1980 der Hit schlechthin. Ich kann also gut verstehen, wenn sich jemand bei der Erst-Entdeckung dieses Songs was abschneiden könnte...

Vielleicht möchtest Du noch etwas mehr über Lou Reed und seine Geschichte erfahren?

Na ja - dieses Lied (wie auch alle anderen auf dem Album "Transformer") wurde von Lou Reed selber geschrieben. Produziert auch von ihm, mit Hilfe von David Bowie und anderen. Sein nächstes Album "Berlin" war ein richtiger Schock - aber fangen wir doch vorne an:

 

 

Die Erfolgsstory des am 2. März 1942 in New York geborenen Lou Reed beginnt Mitte der 60er mit der ebenso einflussreichen (beeinflusste viele andere, wie z.B. auch David Bowie) wie erfolglosen Düstercombo Velvet Underground. Die schwermütigen, aus der Feder Reeds stammenden Songs hoben sich durch ihre für damalige Verhältnisse freizügigen und schnörkellosen Texte deutlich vom Normalen ab. Schon hier lässt sich Reeds Bewunderung für Literatur (Burroughs, Schwartz) herauslesen, die er als Student entdeckte.

1971 verlässt Reed kurz nach den Aufnahmen des Albums "Loaded" die Band "Velvet Underground", um sich für ein Jahr aus dem von ihm verachteten Musikbusiness zurückzuziehen.
Doch schon kurze Zeit später angelt er sich einen Plattenvertrag bei RCA und veröffentlicht sein Solo-Debut, welches einige nicht verwertete Songs aus alten Velvets-Tagen enthält. Bald darauf macht Reed die Bekanntschaft von David Bowie, der sein Live-Set seit längerem mit "White Light/White Heat" ausschmückt und Reeds Ex-Band zu seinen grossen Einflüssen zählt. Selbstredend besteigt der Meister auf Bowies Einladung zu dessen London-Gastspiel bei besagtem Song die Bühnenbretter und Bowie revanchiert sich seinerseits, in dem er Reeds grosses '72er Werk "Transformer" (inklusive den Top-Balladen "Perfect Day" und "Satellite Of Love") produziert. Mit dabei ist auch sein Ziggy Stardust-Gitarrero Mick Ronson, die den Ex-Velvet-Sänger nach dem eher unbeachteten Solo-Debut gemeinsam zurück ins Rampenlicht zerren.

Mit dem fluffig-verspielten "Walk On The Wild Side", einer Ode an Andy Warhols Filme der 60er Jahre, macht Reed erst- und letztmals mit oberen Chartpositonen Bekanntschaft. Optisch sucht Reed die Ablösung seines braven Images und fühlt sich mit blondgefärbten Haaren und schwarz lackierten Fingernägeln schon deutlich böser ;-). In den folgenden Jahren verbaut sich Reed aufgrund radikaler Stilwechsel wohl nicht ganz unbewusst die Chance, eine stabile Fangemeinde aufzubauen. Das künstlerisch hochgelobte und kommerziell enttäuschende "Berlin" treibt den Zuhörer in klaustrophobische Depressionen, die darauf folgenden Alben dokumentieren eine Hinwendung zum klassischen Rock'n'Roll und bringen die Charts wieder in Sichtweite.

Mit "Metal Machine Music", einem schier unhörbaren Doppelalbum elektronischen Krachs (brauchst gar nicht versuchen, ist wirklich so...), verlassen Reed jedoch alle guten Geister. Bis heute streiten sich Experten darüber, ob hier ein ernsthaftes künstlerisches Statement vorliegt oder ob Reed damit lediglich seine Plattenfirma loswerden wollte (was ihm jedenfalls gelang *lach*).

E
nde der 70er ist er Teil der wohl aufregendsten Männer-WG seit den Kommunenbewegungen, er teilt Küche und Bad mit Iggy Pop und David Bowie im Westen des geteilten Berlins (da wär ich auch gerne bei gewesen...). Brüderlich versinkt er mit seinen Mitbewohnern im Drogensumpf (das hätte ich dann ausgelassen), während sich in seinen Kompositionen ("The Bells") schon erste Anzeichen seines später für ihn als typisch empfundenen, gemässigten Songwriting-Stils ausmachen lassen. Das Bild zeigt ihn übrigens mit seinen Mitbewohnern. Am Valentinstag 1980 heiratet Lou seine Freundin Sylvia Morales. Seine nun folgenden Veröffentlichungen sind gegenüber den 70er-Alben deutlich homogener und dadurch leider auch etwas langweiliger. Erstmals mischt er bei politischen Aktivitäten (1985 Farm Aid, 1986 Amnesty International Tour) mit und versucht sich als Schauspieler (1980 in "One Trick Pony"). Selbst für eine Motorroller-Werbung von Honda ist er sich nicht zu schade, zu den Klängen von "Walk On The Wild Side" durchs Bild zu hüpfen ...

1990 arbeitet er wieder mit dem einst von ihm aus Velvet Underground hinaus komplimentierten John Cale zusammen, um dem verstorbenen Mentor Andy Warhol "Songs For Drella" zu widmen. Die gute Zusammenarbeit gipfelt in der Reunion der mittlerweile anerkannten Kultband, die 1993 noch im selben Jahr ein bitteres und endgültiges Ende findet. Auch seine Ehe mit Sylvia scheitert und treibt Reed in die Arme der Avantgarde-Künstlerin Laurie Anderson.

Mit "Set The Twilight Reeling" meldet sich der Solokünstler mit dem eindrucksvollsten Album der jüngeren Vergangenheit zurück, auf dem Spielfreude und literarischer Anspruch wieder auf gewohnt hohem Niveau miteinander kommunizieren. Zwischendurch erobern seine Songs "Perfect Day" und "This Magic Moment" die Kult-Soundtracks "Trainspotting" und "Lost Highway", durch die Reed in neuen Altersstufen Popularität erfährt. Das Livealbum "Perfect Night" von 1998 dokumentiert ein Konzert in London, "dessen magische Atmosphäre ich wohl nie wieder erreichen werde", wie er anschliessend bekannte. In diesem Punkt kann man nur hoffen, dass sich der alte Rock'n Roller irrt!

Dies ist die Geschichte - ja fast die Biographie eines "alten" Stars ... liest sich ganz anders, als die der heutigen ... ich versuche immer noch dahinter zu kommen, was denn der grosse Unterschied ist ... ist es die Allgegenwärtigkeit und Macht der Medien, die ein Genie zu einem Star werden lässt oder eben nicht? Oder liegt es daran, dass heute immer auch ein Videoclip zu einem guten Song nötig ist..., dass es also viel mehr auf visuelles ankommt als früher? Natürlich kostet die Produktion eines solchen Clips auch ein paar *lach* Euro... . Und was ist mit dem Phänomen der Boygroups und der Retorten-Bands (No Angel & BroSis)? Aber lassen wir das für den Moment ... das sprengt wohl nun den Rahmen "Text zum Lied" wirklich...